Urbane Exploration

Urbane Exploration ist das Erkunden der Umgebung. Natürlich geht es hier weniger um belebte als um verlassene Orte, sogenannte „Lost Places“, also aufgegebene und in Vergessenheit geratene Orte.

Lost Places haben Charme. Mich fasziniert immer wieder, wie schnell die Natur sich einst vom Menschen gestaltete Räume wieder zurückholt. Verfall und Gammel zeigen sich hier in ihrer schönsten Form.

Urbexer sind keine Diebe, Einbrecher, Vandalen oder Brandstifter. Urbexer erkunden Orte so, wie sie vorgefunden werden.

„Take nothing than pictures, leave nothing than footsteps.“

Orte von Interesse werden nicht explizit für das Urbexen erschlossen. Urbexer verwenden Wege, die bereits erschlossen sind. Sich gewaltsam Zutritt zu verschaffen wäre Einbruch. Auch nur den kleinsten gefundenen Gegenstand einzustecken wäre Diebstahl. Selbst das kleinste Tag oder Graffito stellt eine Sachbeschädigung dar, vom vorsätzlichen Zündeln mit Feuer mal völlig abgesehen. So abgelegen und verlassen ein Ort auch ist, es gibt immer einen Eigentümer mit einem berechtigtem Interesse daran, dass niemand diesen Ort betritt.

Eigentum verpflichtet, das gilt auch für Lost Places. Eigentümer haben eine Verkehrssicherungspflicht. Soll heißen, der Eigentümer ist dafür verantwortlich, dass niemand sein Eigentum unbefugt betreten kann. Jetzt ist dieses als Lost Place aber echt abgerockt und zur reinsten Todesfalle geworden. Hier muss der Eigentümer (oder wer auch immer zuständig ist) das Objekt vor dem Zutritt durch Fremde sichern, da Gefahr für Leib und Leben droht. Kommt hier jemand zu schaden, wird es rechtlich ganz schnell für alle Beteiligten ziemlich kompliziert. Und dann ist da dieses Loch im Zaun, oder das nicht abgeschlossene Tor…

In der Regel hat der Urbexer also keine explizite Befugnis Orte wie Gebäude und Grundstücke zu erkunden und macht sich schon mal mindestens des Hausfriedensbruches schuldig.

Manchmal ist es jedoch auch recht einfach jemanden Berechtigten ausfindig zu machen und eine „Erlaubnis“ einzuholen das Grundstück oder Objekt zu betreten um schnell ein paar Bilder zu machen. Manchmal. Manchmal hilft auch das Entrichten einer kleinen „Aufwandsentschädigung“ für das Öffnen einer Türe mit dem passenden Schlüssel. Und dann heißt es „Auf eigene Gefahr!“, doch auch aus dieser Nummer kommt der Typ, der euch hinein  gelassen hat, rein rechtlich gesehen nicht so leicht wieder raus.

Gefahren gibt es nämlich reichlich! Viele Objekte wurden aus einem guten Grund aufgegeben und nicht mehr genutzt. Manchmal sind es einfach bauliche Mängel, z.B. durch einen Brand oder mangelnde Instandhaltung. Oft ist auch niemand mehr da, der sich um ein verlassenes Objekt kümmern könnte um es vor dem Verfall zu bewahren.

Ich kann nicht oft genug davor warnen ein solches Objekt zu betreten! Darum hier ein paar meiner goldenen Regeln:

  1. Betrete niemals ein Objekt im Alleingang! Niemand wird Deine Schreie hören!
  2. Dein Handy ist sicher ganz nützlich, doch laut Murphy’s Law wirst Du genau dort verunglücken wo es kein Netz gibt! Nimm es trotzdem mit: im Notfall taugt es zumindest noch als Taschenlampe oder Ersatzkamera.
  3. Auch wenn Ihr mindestens zu zweit seit, sagt immer einer weiteren Person Bescheid wo Ihr hingeht und was Ihr vorhabt! Wenn Ihr nicht zu einer verabredeten Zeit wieder zurück seid kann dieser Jemand Hilfe organisieren. Er soll Hilfe holen! Dieser Jemand soll nicht selber nach Euch suchen und in das selbe Loch fallen wie Ihr!
  4. Betretet niemals einen mit irgendetwas abgedeckten Bereich! Das Loch darunter ist im Zweifel tief und der Absturz tödlich!
  5. Vorsicht bei Böden und Treppen aus Holz! Vor allem in Verbindung mit undichten Dächern!
  6. Betretet niemals ein Gebäude bei dem Wände und Decken auch nur teilweise bereits eingestürzt sind. Der Rest fällt sofort in sich zusammen wenn Ihr da reingeht.
  7. Gucken, nicht anfassen! Im Zweifel ist das weiße Pulver auf dem Boden kein Schnee sondern irgendwas extrem giftiges!
  8. Selbes gilt für Elektroinstallationen! Es ist keinesfalls garantiert dass eine offen liegende Leitung nicht doch noch Spannung führt!
  9. Es muss nicht immer Wasser sein, was da runtertropft. Das gilt insbesondere für Industrieanlagen.
  10. Schimmlige Buden verbreiten eine Vielzahl von Sporen. Manche davon sind ziemlich giftig. Der „Fluch des Pharao“ war tatsächlich Aspergillus flavus, der gemeine Grünschimmel. Eine kleine allergische Reaktion ist das eine, Pilzbefall der Ohren, Nasennebenhöhlen, Magen, Darm, Haut, Lunge und gar des Nervensystems das andere. Schützt Euch vor einer Aspergillose mit Handschuhen und einem einfachen Atemschutz aus dem Baumarkt.
  11. Alte Bergwerke und Stollen und sind höchst interessant aber:
    ⇒ ABSOLUT TABU! ⇐
    Nach wenigen Metern kann der Sauerstoffgehalt im Stollen bereits so niedrig sein, dass Ihr einfach umfallt und nie wieder aufwacht! Eine Warnung gibt es nicht, es sei denn ihr habt einen Gasdetektor oder einen Kanarienvogel bei euch. Bergwerke werden normaler Weise „bewettert“, also aktiv mit einem riesigen Gebläse von außen belüftet. Das passiert hier jedoch schon lange nicht mehr! Zudem können aus dem Gestein Grubengase austreten, die explosiv und/oder giftig und/oder radioaktiv (sic!) sein können. Selbiges gilt für Tiefbunker und auch für natürliche Höhlen.
    Einfache Stützen (Stempel) sind aus Holz. Das ist jetzt ziemlich sicher dermaßen morsch, dass es nur darauf wartet unter der kleinsten Erschütterung Eurer Schritte im Stollen final zusammenzubrechen, natürlich hinter oder über Euch. Selbst Abstützungen aus Stahl geben Euch keine Garantie dass sie nicht über Euch zusammenbrechen weil jemand auch nur gehustet hat.
  12. Hinzu kommt dass Objekte ab einer gewissen Größe schnell unübersichtlich werden und man sich schlichtweg verlaufen kann. Eine gewisse Grundübung in Orientierung ist hilfreich. Wer sich schon im lokalen Supermarkt nicht zurechtfindet sollte besser draußen bleiben.
  13. Egal welches noch so fancy „Gear“ Du trägst und egal was Du sonst an ach so toller Ausrüstung dabei hast: Wenn Du tot bist nützt es Dir nichts mehr. Wenn Du es lebend aus einem Lost Place wieder heraus geschafft hast, dann sicher nicht weil Dein Rucksack von ABC oder Deine Taschenlampe von XYZ ist. Auch die Angelhaken im Griff Deines „Survivalmessers“ haben ganz sicher nichts dazu beigetragen.
  14. Das beste Werkzeug ist Dein gesunder Menschenverstand!
  15. Aufpassen, Aufpassen, Aufpassen! Und: Aufpassen!

„Vorsicht ist keine Feigheit, Leichtsinn ist kein Mut!“

Ich glaube meine Botschaft ist klar: Urbexen kann eine Menge Spaß machen, kann jedoch schnell ziemlich gefährlich werden. Immerhin: auch Wandern oder Skifahren sind gefährlich, vor allem wenn man sich überschätzt.
Darum: geht halt einfach keine unnötigen Risiken ein!

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